Liebe Leyla,

ganz traurig bin ich darüber, dass wir haben Abschied nehmen müssen. Mir fehlt dein Betteln am Tisch, mir fehlt dein Bellen, wenn jemand die Treppen hinauf steigt und mir fehlen die zahllosen Momente, in denen du dein Kopf auf meinen Schoß legtest und wir einander tief in die Augen blickten. Leyla, du fehlst mir!

Ich weiß noch, ich war keine zehn Jahre alt, als ich Mama und Papa anbettelte mir einen Hund zu kaufen. Mama hatte ich mit meinen Versprechungen überzeugt und sie half mir meinen Vater zu überreden. Er rechnete mir nur immer wieder vor, wie teuer ein Hund ist und gab erst nach, als Mama sagte, sie wolle mit dem Rauchen aufhören, damit ich meinen Hund bekam.

Keine drei Tage später hatte Mama schon ein Hunderassenbuch durchgeblättert und den Dalmatiner zum perfekten Familienhund erklärt. Ich erinnere mich noch, wie ich einen deiner Geschwister auf dem Arm hatte und wir uns um die süßen Welpen tummelten. Linda, hatte dich auf dem Arm und du hast ganz wild gezappelt und wolltest ihr immer zu das Gesicht ablecken. Du hast dich so wahnsinnig gefreut, dass wir keinen anderen Welpen mehr hoch nehmen wollten.


Wir hatten eine sehr schöne Welpenzeit mit dir, weil du einfach nur lieb warst. Die ganze Familie war vernarrt in dich und du wurdest von allen akzeptiert, obwohl sie anfangs gegen einen Hund waren.
Du lerntest so schnell auf Kommandos zu hören und wolltest immer nur toben oder schmusen.




Die Jahre vergingen und du musstest auch schlimme Zeiten durchstehen.
Ich habe geweint, als wir Kinder mit Mama von einem Wochenendtrip nach Hause kamen und mein Vater uns erzählte, du wärst nicht mehr da. Es hatte ihn gar nicht interessiert, was aus dir wurde. Er erzählte nur, du seiest ihm davon gelaufen. An diesem Sonntag bin ich unsere ganzen Wege abgelaufen und habe Leute angesprochen, ob sie dich gesehen haben. Die Suche blieb erfolglos und ich weinte mich in den Schlaf.
Am nächsten Morgen musste ich in die Schule. Ich blieb aber nur ein paar Stunden und machte mich dann mit meiner damals besten Freundin auf den Weg ins Tierheim. Da standen wir zwei Zwölfjährigen vor der Tierheimleitung und schluchzten, ob am Wochenende eine Dalmatinerhündin abgegeben wurde. Und tatsächlich. Eine nette Dame hatte dich aufgelesen und im Tierheim abgegeben. Nur leider warst du nicht mehr dort, weil meine Mutter uns zuvor kam. Ich eilte nach Hause und wir begrüßten uns herzlich.

Wenn ich abends traurig im Bett lag, warst du immer da und hast mich getröstet. Ich war immer ganz erstaunt, wie du merktest, wenn etwas nicht stimmte und selbst kurz aufjammertest, bevor du mit deiner Schnauze meine Hand anstupstest und deinen Kopf unter sie schobst, damit ich dir dein Köpfchen kraule.

Leyla, du warst immer da, wenn es andere so wenig waren.



Ich wollte doch, dass du noch einen kleinen Spielkameraden bekommst. Wir wollten gemeinsam spazieren gehen und du hättest ihm zeigen können, wie viel Spaß es macht im Wasser zu toben ohne darauf zu hören, wenn Frauchen sagt, es ist genug.
Wer tappt denn jetzt mit mir durch den hohen Schnee? Wer liegt nachts mit mir auf einer Wiese und schaut in die Sterne?

Unvergessen bleiben der Ungarnurlaub und die Campingzeit an der Ostsee. Du warst ein so toller und lieber Hund, dass ich nicht aufhören kann, von dir zu schwärmen.

Vor vier Jahren änderte sich dann dein Gesundheitszustand.
Du weintest oft stundenlang in deinem Körbchen und wir wussten dich nicht zu beruhigen. Eines Abends konntest du dann deine Hinterläufe nicht mehr bewegen und schriest das ganze Haus zusammen. Wir suchten mehrere Tierärzte auf und bekamen letztendlich in der Tierklinik die böse Gewissheit, dass mit deinen Knochen etwas nicht stimmte.
Viele Prozeduren musstest du über dich ergehen lassen, bis die eindeutige Diagnose feststand: Du hast Arthrose.

Deine Hüfte und Hinterläufe waren am schwersten betroffen, doch auch dein Brustkorb und andere Gelenke boten ein Bild von inoperabeln Knochenverschleiß.
Von nun an durchliefst du ein absolutes Hundeschonprogramm. Große Sprünge und wildes Rennen waren vorbei. Die Treppen wurdest du zeitweise hinauf getragen und wir bemühten uns deine Muskulatur aufzubauen. Du bekamst Schmerztabletten und nach einem Jahr hatten sich alle an den neuen Zustand gewöhnt.
Wir haben viel auf dich acht gegeben und versucht, dass du ein schmerzfreies Leben führen kannst. Abenteuerliche Spaziergänge und Treffen mit anderen Hunden bereiteten dir immer noch viel Freude und waren eine wundervolle Ablenkung vom Alltag.

In der Tierklinik sagte man uns damals, dass du mit den Tabletten noch schöne drei bis vier Jahre verleben wirst, bis dass auch die Tabletten nicht mehr helfen können.
Du hattest beschwerdefreie Sommer und Phasen in denen es dir trotz Tabletten sehr schlecht ging.



Es tut weh die Bilder im Kopf zu sehen, wie du zuletzt kaum noch laufen und sitzen konntest. Jede Bewegung schmerzte und die Medikamente aus den letzten Jahren zeigten nach und nach ihre Nebenwirkungen. Seit einigen Monaten ging es dir nur noch schlecht und wir standen tränenreich vor schweren Entscheidungen.
Mein liebes Mädchen, im Juni bist du neun Jahre alt geworden und zu allem Übel kam noch ein Tumor in der Gesäugeleiste hinzu. Dir blieb auch nichts erspart.
Mama und der Tierarzt waren sich einig, dich keiner großen Operation mehr zu unterziehen. Du hattest nicht verdient noch mehr zu leiden.

Nun mussten wir dich gehen lassen…
Es ist so ungewohnt ohne dich, so still und einsam.

Leyla, ich danke dir für 9 ½ Jahre bedingungsloser Liebe und Treue.
Danke, dass du da warst und wir zusammen aufwachsen konnten.
Ich werde dich niemals vergessen.


I can't breathe, when my heart is broke in two
There's no beat without you

Willkommen auf meiner mopsigen Seite        Hundehimmel