
Fast 6 Jahre ist es schon her, dass sie zur Regenbogenbrücke gegangen ist und immer noch wird mir das Herz ganz weit, wenn ich an sie denke. Sie war solch ein unglaublich intensives kleines Mopsmädchen.
Bei der Geburt wog sie knapp 120 Gramm, während die beiden Brüder 180 und 190 wogen. Schon nach ein paar Wochen konnte man sehen, dass die beiden Knie nicht in Ordnung waren. Sie wollte auch nicht so recht wachsen. Sie war einfach eine kleine Sparausführung. Das bedeutete aber, dass ich mich nicht von ihr trennen musste. Weil niemand von uns ein Sorgenkind bekommen soll, durfte sie bleiben.
In dem kleinen Kopf hatte sie aber schon ganz früh alles drin, was ein kleiner Mops wissen muss, damit das Zusammenleben mit seinen Menschen zu einem wunderschönen Traum wird.
Als sie ausgewachsen war, wog sie nur 5 Kilo und war dabei nicht mager. Ihre beiden Knie haben wir operieren lassen, damit sie besser laufen konnte, trotzdem blieb sie gehbehindert. Das störte aber weder sie noch uns, denn sie hatte sich ein paar sehr geschickte Tricks ausgedacht. Um weite Entfernungen zu überwinden, engagierte sie ganz einfach Menschen, die sie trugen.
Wenn Besucher kamen, war sie sich ganz sicher, dass die nur kamen, um sie kennen zu lernen und später kamen sie, um die Freundschaft mit ihr zu vertiefen,
Sie setzte sich ein Stückchen abseits von der wild die Besucher begrüßenden Meute und lächelte die Leute still an. Und jeder (fast jeder) ging schnell auf sie zu und fragte: "Ja, wer bist denn Du?" (oder später: "Ja, da bist Du ja!"), nahm sie auf den Arm und trug sie spazieren. Im Verlauf des jeweiligen Nachmittags wanderte sie von Arm zu Arm und strahlte höchst zufrieden.
Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen war, auf meinem Schoß zu sitzen und sich Geschichten erzählen zu lassen. Alle handelten sie von "meinste kleinste Wibbeke.". Jedesmal, wenn ihr Name fiel, ging ein kleiner Schauer des Entzückens durch ihr Körperchen und sie setzte sich noch behaglicher zurecht.
Einmal wurde mir die sehr böse Feststellung eines noch böseren Menschen zugetragen: "Und dann haben die da den Krüppel rumlaufen, der schreckt doch alle Interessenten ab." Von da ab wurde Wibbeke zur Charaktertesterin. Wenn ein Mensch es fertig brachte, sich nicht in Wibbeke zu verlieben, war er es nicht wert, überhaupt einen Mops zu bekommen.
Sie wurde nur 5 Jahre und 3 Monate alt, dann war das kleine Lebenslicht zu Ende gebrannt. Sie ist genau so still gestorben, wie sie auch gelebt hat. Sie hat uns die schlimme Entscheidung abgenommen, morgens ist sie einfach nicht mehr wach geworden.
Irgendwann wird sie auf der Regenbogenbrücke stehen, mich still anlächeln und natürlich werde ich sie sofort auf den Arm nehmen. Für immer.
Danke an Inge Wessling